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Dritter Streifzug - die ersten deutschen Filmstars
In den Jahren als Oskar Messter sein Atelier unters Glasdach in
der Friedrichstraße 16, siebter Aufgang verlegt hatte, wo
er bis 1911 Tonbilder und Filme wie 'Das Liebesglück einer
Blinden' mit Henny Porten und Friedrich Zelnik drehen lies, als
sich in der südlichen Friedrichstadt das berühmte Berliner
Filmviertel herauszubilden begann - gleich ums Eck in der Markgarfenstraße
94, in der Lindenstraße 32
usw. entstanden die Ateliers der Konkurrenz - wurde in
der nördlichen Verlängerung der Friedrichstraße,
in der Chausseestraße 123
das Atelier der Bioscop gegründet, in dem
Asta Nielsen
vor und Guido Seeber hinter der Kamera standen.
Oskar Messter bemühte sich seit der Jahrhundertwende alle populären Künstler der 'leichten Muse': Otto Reuter, Robert Steidl, Alexander Giradi, Fritzi Massary und Guido Thielscher für seine Tonbilder zu gewinnen und umgab sich dann auch mit Regisseuren wie Adolf Gärtner, Kurt A. Stark, Rudolf Biebrach und Carl Froelich.
Als noch viele sich für gebildet erachtende Leute dem Film kritisch bis, ihn als Volksbelustigung und niedere Kunst ablehnend, gegenüberstanden, fuhr Adele Sandrock, einst Heroin des Wiener Theaters, im Automobil bei Messter in der Friedrichstraße 16 vor. Sie debütierte im Stummfilm 'Marianne, ein Weib aus dem Volke' UA 7.10.1911.
Die Filmindustrie, allen voran Paul Davidson ab 1909, suchte den Kontakt zu Schriftstellern und renommieten Regisseuren und Schauspielern, um das Ansehen des Kinos beim bürgerlichen Publikum zu heben, und somit das Kino salonfähig zu machen. Das förderte den Starkult und lockte die Schauspieler mit immensen Gagen vom Theater ins Kinoatelier. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen es reine Theater- oder Kinoschauspieler gab und gibt, begannen die Schauspieler in Deutschland zu Grenzgängern zwischen Theater und Kino zu werden. Auf der Leinwand erschienen unter anderen 1911 Hans Mierendorff, 1912 Harry Liedtke, 1913 Eduard von Winterstein. Bald folgten Emanuel Reicher, sowie dessen Sohn Ernst Reicher und Joe May in Detektivfilmserien. Schauspieler die früher nicht fotographiert werden wollten, wie Albert Bassermann
standen plötzlich im Atelier in der Lindenstraße 32 und drehten unter der Regie von Max Mack einen so berühmt gewordenen Film wie 'Der Andere'.1913 gelang es Davidson dann Max Reinhardt für die PAGU zu verpflichten, während Paul Wegener seinen berühmt gewordenen 'Der Student von Prag' drehte.
Mit Kriegsbeginn produziert Paul Linckes Liberettist Heinrich Bolten-Baeckers Militärkomödien, die im Marmorhaus, Mozartsaal und in vielen anderen Kinos zu sehen sind und in denen Anna Müller-Lincke und Leo Peukert als Hauptdarsteller zu populären deutschen Filmkomikern avancieren.
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