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Zweiter Streifzug - frühe Filmpioniere Oskar
Messter 1867-1943
übernimmt im Herbst 1896 das Ende April des Jahres von
Baron von Prittwitz eröffnete, seit Pfingsten des Jahres
unter der Geschäftsführung von Gustav
Schönwald stehende,
'erste Berliner Kino', einen angemieteten Raum des
Restaurants Wilhelmshallen, Unter
den Linden 21. Das ist 1896 eine sehr gute Adresse nahe der zweitbelebtesten Kreuzung der 1,7 Millionenstadt Berlin. Zwischen dem Eckhauses Nummer 25 und dem Haus Nummer 22 (an der Stelle an der heute das Grand-Hotel steht), verlief die 130m lange Linden- oder auch Kaiserpassage mit ihren 49 Läden, darunter einem Kinovorläufer, dem Kaiser-Panorama, bis hin zur Friedrich- Ecke Behrenstraße. Die rechten Nachbarhäuser Unter den Linden 19 und 20 gehören einem Dr. jur. W. Felsing, später der Hauptmannswitwe Josefine von Losch, geborene Felsing, die diese Häuser allerdings nur noch als Kriegsruinen an ihre Tochter, Marlene Dietrich (*1901) vererben konnte. Ab 1. Mai 1896 betrieben auch
die Lumières ein Kino in Berlin. Zunächst in der
Friedrichstraße 65a/Ecke Mohrenstraße, später auf
der Großen Gewerbeausstellung im Treptower Park, wo sich
bereits ein Herr Bartling ebenfalls mit einem 'Theater
der lebenden Bilder' etabliert hatte. Messter, der 1893 das 'Mechanische und optische Institut', den ärztlichen Instrumente- und Apparatebau seines Vaters übernommen hatte, begann nun auch Filmprojektoren zu bauen, die durch seine Erfindung des Malteser-Kreuzes das Problem des Filmtransports nahezu lösten und damit anderen Projektoren überlegen waren. Messters Kino Unter den Linden 21 konnte sich 1896/97 allerdings nur wenige Monate halten. Erst ab dem 20.8.1910 gab es in diesem Haus dann wieder ein Kino, das zweite Berliner Union Theater und später die Decla-Lichtspiele. Der vielseitige Oskar Messter
war ja nicht nur Kinobesitzer, neben einigen anderen
Beschäftigungen drehte er, nach eigener Aussage ab 1896
(nachweislich ab 1900), im ersten Berliner Filmatelier,
im vierten Stock des Hauses Friedrichstraße
94a auch seine ersten
kleinen Filme. Demnach begann hier 1898 mit 'Fridericus
Rex beim Flötenspiel' auch die Produktion
historischer Sujets. Schon bald konnte Messter seine
Produktion in einem großen Verkaufskatalog anbieten. Zur
Verbesserung der Platz- und Lichtsituation zog Messters
Atelier mehrmals um. 1901 zog Messter in die Friedrichstraße
151 und vier
Jahre später verlegte er sein Atelier unter das Glasdach
der Friedrichstraße 16. Hier in der südlichen Friedrichstadt lassen sich auch Messters Konkurrenten wie Alfred Duskes nieder, so daß hier ein richtiges Filmviertel entstand. In der Frühzeit des Films ist seine Entwicklung noch stärker technisch als ästhetisch bestimmt. Großaufnahme oder gar Kamerafahrt müssen erst entdeckt werden. Im Jahr 1900 drehen Messters Kameramänner erstmals Luftaufnahmen aus einem Freiballon.1902 dreht Messters Projektions GmbH eine 75m lange 'Salome' , die "historisch, klassisch, völlig lächerlich, aber in sexueller Hinsicht so ehrlich [ist], daß die anderen Länder ganz verrückt nach diesem Werk waren. Während der ersten Dekade des Jahrhunderts war die deutsche Filmproduktion primär erotisch orientiert," schreibt Ado Kyrou, hier zitiert nach IlonaBrennicke/ Joe Hembus: 'Klassiker des deutschen Stummfilms', München 1983, S. 237 . Und über diese Dekade hinaus,
betrachtet man die frühen Filme des berühmten
Theaterregisseur Max Reinhardt 'Eine
venetianische Nacht'
und 'Insel
der Seligen' beide 1913 gedreht, in denen
damals renommierte Schauspielerinnen wie Leopoldine
Konstantin, Mary
Dietrich, Greta
Schröder und Erika
de Planque
als Göttinnen oder barbusige
Wassernixen auftreten. Und die männlichen Schauspieler
im Badeanzug beziehungsweise in Fellshorts wie Ernst
Matray als Faun, Wilhelm
Diegelmann als Meergott,
oder Friedrich Kühne als Wasserteufel. Bereits am 29. August 1903 konnte Oskar Messter mit einer neuen Attraktion aufwarten. Im Apollo in der Friedrichstraße 218 führte er mit seinem Filmvorführgerät, dem Kosmographen und einem synchron laufenden Grammophon sogenannte Tonbilder vor, womit Messter einen Vorläufer des Tonfilms schuf. |
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