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Der ursprünglich als Wintergarten des Central-Hotels in der Friedrichstraße 143-149 gebaute Saal, wurde ab 1886 als Varieté genutzt. Er bot 2200 Personen Platz und war um 1895 neben dem Apollo-Theater das berühmeste Berliner Varieté jener Jahre. Hier zeigte Max Skladanowsky am November 1895 erstmals vor zahlendem Publikum Filme, daß heißt: hier fand die weltweit erste Kinovorführung statt. "Die Varietés, in Berlin auch 'Spezialitätentheater' genannt, gab es in allen Preislagen. Am beliebtesten waren die sommerlichen Gartentheater, die den Weinbergsweg säumten und die auch in der Hasenheide in großer Zahl vorhanden waren. Das vornehmste Varieté von Berlin jedoch war unbestritten der 'Wintergarten' (..., er) wurde als eine Mischung aus Kabarett und Zirkus geführt, und diese Art erwies sich fünfzig Jahre lang als ein großer Erfolg. Das Kabarett konnte noch nicht und der Zirkus konnte nicht mehr leben, also trafen sich die Matadore aus Zirkus und Kabarett auf der Bühne des Varietés. (...) Die Gesänge der großen Diseusen und die Couplets der volkstümlichen Humoristen, die Todesverachtung der fliegenden Trapezmenschen, die Schönheitstänzerinnen aus Paris, dies alles klang im 'Wintergarten' zu einer wunderbaren Stimmung zusammen. Es begann schon mit den goldverschnürten Mohren, die hier als Türsteher fungierten. Dann der Sternenhimmel, der sich an der Decke des langen, schmalen Saales hinzog, die breite Bühne, das versenkte Orchester, die Terrasse an der hinteren Saalwand, wo man während der Vorstellung an kleinen Tischen speisen konnte, es war der wahre Himmel der Berliner. Dabei kostete ein Platz auf der Terrasse nur sechs Mark, und unten im Saal konnte man schon für eine Mark sitzen. (...) Wie man am Beispiel Otto Reutters sieht, lagen im Varieté auch literarische, ja dramatische Möglichkeiten. Der 'Wintergarten' allerdings hat sie nie genutzt. (Im Gegensatz zu zwei anderen Varietés, dem 'Metropol-Theater' und dem 'Apollo-Theater'). Das 'Metropol-Theater' wurde dabei weit über Berlins Grenzen hinaus berühmt, dem 'Apollo-Theater' indes mußte der stille Ruhm genügen, die Rezepte des Ruhms gefunden zu haben. (...) Es war nicht ein Sieg auf einen Streich, es war sogar eine halbe Enttäuschung, was Max Skladanwosky (...) auf der Bühne des Berliner 'Wintergartens' vorführte. Er nannte es 'Theater lebender Photographien'. Auch die hellen Berliner merkten zunächst nicht das Besondere an dem, was er zu zeigen hatte. Die Kinoapparatur selbst konnte ja nicht mehr überraschen; ihre Herkunft von der alten 'Laterna magica' lag auf der Hand (...) Skladanowsky war also kein Urerfinder wie Edison, er war nur ein Vollender, ein geschickter Mechaniker. Daß er daneben aber noch etwas ganz anderes war, das eben, was die Berliner nicht so schnell begriffen, nämlich der Erfinder des Spielfilms und seiner Dramaturgie, äußerte sich nur in dem Namen seiner Sache. Die Betonung lag auf dem ersten Wort. 'Theater lebender Photographien'. Die Gebrüder Lumière in Paris zeigten auf ihrem ersten Filmstreifen eine abfahrende Lokomotive, und Lautham in New York soll die Landung eines Dampfers photographiert haben. Skladanowsky jedoch führte eine ersonnene Handlung vor, eine Pantomime, von Darstellern gespielt (...) Das große Thema der Zirkuspantomime, hier war es wieder in einer neuen Sprache erzählt. Flucht und Verfolgung ! Skladanowskys Aufnahmen hatten allerdings noch nicht das richtige Zeitmaß, das Bild hüpfte und flimmerte, doch was tat das, die erste Filmdichtung war gelaufen. Skladanowsky hätte mit dem Oscar aller Oscars ausgezeichnet werden müssen, doch die Berliner sagten nur: 'Na, wenn schon!'," berichtet Walter Kiaulehn.
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