Marlene Dietrich 1929

Marlene Dietrich

wurde am 27.12.1901 als Tochter des kaiserlichen Polizeioffiziers Louis Erich Otto Dietrich und seiner Gattin Josefine Dietrich im Neubau Sedanstraße 53 (heute Leberstraße 65) geboren. 1904 zog die Familie mit ihren drei Dienstboten ins Hochparterre der Colonnenstraße 48/49 - die heute in dieser Wohnung lebende Wohngemeinschaft weiß dies mittlerweile, doch der unten im Haus befindlichen Videothek sagt dies nichts: Berlin hält nicht viel vom Gedenken an seine beim Film prominenten Kinder, siehe dazu auch Ernst Lubitsch. Während Schöneberger Politiker in Berlin monatelang eine Marlene Dietrich-Straße verhinderten, sieht es da seit Beginn 1998 in Potsdam- Babelsberg etwas anders aus. Dort hat man eine 1.300m lange, quer durch das Filmgelände verlaufende Allee nach Marlene Dietrich und zwei Nebenstraßen nach Emil Jannings und nach Heinrich George, wohl mehr dem derzeit prominenten Sohn Götz, als Heinrichs nationalpolitischer Irrfahrt halber, benannt.

Nach dem Tod des Vaters 1907 führt Marlenes Mutter den Haushalt des begüterten Offiziers Eduard von Losch. "Marlene hatte eine englische Gouvernante, parlierte fließend französisch, bekam Klavier- und Violinunterricht am Kurfürstendamm und absolvierte ihre Reitstunden im Tiergarten. [Auch Marlenes Mutter stammte aus begütertem Elternhaus, aus der Juweliersfamilie Felsing mit Firmensitz Unter den Linden 19. Sie erzog Marlene und ihre Schwester streng: unbedingter Gehorsam und Pflichterfüllung waren selbstverständlich. ...] Ausgestattet mit der Erziehung, den Umgangsformen und dem Selbstwertgefühl einer höheren Tochter des kaiserlichen Deutschlands wurde Marlene Dietrich nicht erst durch ihre Bühnen- und Filmerfolge zur Dame von Welt", schreibt Manfred Neifer über Marlene.

Zwanzigjährig wurde Marlene Mitglied eines Stummfilmorchesters, aus dem sie, Anekdoten zufolge, ihrer hübschen, langen Beine halber, die den männlichen Rest des Orchesters zu sehr ablenkten, vorzeitig entlassen wurde. In den folgenden Jahren fielen Marlenes Beine immer wieder auf, gleich ob in Guido Thielschers 'Girl Kabarett', oder als Tanzgirl Rubie in der Revue 'Broadway', oder neben Margo Lion in der Revue 'Es liegt in der Luft', oder schließlich im Film 'Der blaue Engel'. Mehrere ihrer Kostüme betonen ihre Beine: "Beine, so aufregend lang, daß die Strümpfe nicht hinaufreichen", darüber ein Straußenröckchen und als Kontrapunkt einen Zylinder als Kopfbedeckung. Für sie scheint Felix Hollaenders das Lied 'nach meene Beene is` ja janz Berlin verrückt, mit meene Beene hab` ick manches Herz jeknickt ..' geschrieben zu haben.

Ab 1922 an Max Reinhardts Schauspielschule, wirkte sie schon wenig später in Berlin als Sängerin, Theater- und Filmschauspielerin. Fünfundzwanzigjährig spielte sie einen Monokel und Satinanzug tragenden Vamp in der Komödie 'Duell am Lido' mit Rudolf Forster. Zu dieser Zeit lebte sie mit ihrem Ehemann Rudolf Sieber und der einjährigen Tochter Maria in der Kaiserallee 54 (heute Bundesallee) in Wilmersdorf.

Sie arbeitete sich im Theater und im Film von Rolle zu Rolle hinauf. Ihr Durchbruch kam nicht erst 1930 von heute auf morgen mit Josef von Sternbergs frühem deutschen Tonfilm 'Der blaue Engel', wie von ihr und von Sternberg immer wieder behauptet wurde. "Die Ehre, Marlene Dietrich zu ihrem ersten prägnanten Filmauftritt verholfen zu haben, gebührt ihrem späteren Ehemann Rudi Sieber, der 1922 als Assistent Joe Mays arbeitet. In dem vierstündigen Kriminalmelodram 'Tragödie der Liebe', aufgenommen in Mays Studios in Weißensee, erscheint sie - schon hier mit Monokel - als Geliebte eines Staatsanwalts [...] Marlenes Durchbruch beim Film scheint zum Greifen nah, als G.W.Pabst ihr die Hauptrolle seiner Wedekind-Verfilmung ' Die Büchse der Pandora ' anbietet. Pabsts erste Wahl ist freilich die fünf Jahre jüngere Amerikanerin Louise Brooks. Deren Arbeitgeber, die Paramount, beantwortet seine Anfrage erst in letzter Sekunde, und Pabst sagt der Dietrich ab. [... Kurt] Bernhardt s 'Die Frau nach der man sich sehnt' hat im April 1929 in Berlin Premiere. Es ist ihr bisher aufregendster Film. Eine Einstellung am Anfang, in der sie wie abwesend durch ein vereistes Zugfenster starrt - und mit einem einzigen, schmachtenden Blick einen jungen Bräutigam dazu bringt, seine Braut noch in der Hochzeitsnacht zu verlassen - enthält fast alles, was auch Marlene Dietrichs Sternberg-Filme zu Ereignissen macht", schrieb Christoph Terhechte.

Im Berliner Theater, in der Charlottenstraße 90 schaute sich Josef Sternberg die Revue 'Zwei Krawatten' mit Marlene Dietrich an. Sie wurde seine Lola in 'Der blaue Engel'. Direkt nach dieser Filmproduktion ging Marlene Dietrich mit Sternberg in die USA. Dort arbeitete vorwiegend für den Film, wurde 1937 amerikanische Staatsbürgerin und wandte sich gegen den Nationalsozialismus.

In der Literatur über Max Reinhardts Situation im amerikanischen Exil wird Marlene als immer hilfsbereiter, allürenloser Mensch geschildert, während ein neuer Dokumentarfilm sie als haltlosen, Männerfressenden Star darstellt. Als deutschstämmige engagiert sie sich gegen die Nationalsozialisten und widmet sich als Amerikanerin der amerikanischen Truppenbetreuung. In den 50er und 60er Jahren lebte die Dietrich als gefeierte Diseuse in Paris. Als eine Konzertreise sie am 30. April 1960 nach Berlin zurückkehren läßt [der Berliner Jazzgitarrist Coco Schumann erinnert sich in seinen Memoiren 'Der Ghetto-Swinger' wohl irrtümlich Marlene Dietrich bereits 1946 mit seiner Gitarre im Titania Palast begleitet zu haben], empfangen aufgebrachte Berliner Marlene vor dem Titania Palast in Steglitz mit Transparenten auf denen steht :"Marlene hau ab!". Sie wird von vielen Deutschen als Nestbeschmutzerin beschimpft - dieses Urteil hat sich in etlichen deutsch-konservativen Köpfen über Marlenes Tod hinaus gehalten.

Sie starb am 6. Mai 1992 in Paris. Sie liegt auf dem Friedhof an der Friedenauer Stubenrauchstraße begraben. Über ein Jahr, nachdem das Land Berlin den Nachlaß von Marlene Dietrich für fünf Millionen Dollar erworben hat, präsentiert die Stifung Deutsche Kinemathek ihre Schätze 1995 im Martin-Gropius-Bau der Öffentlichkeit. Und das ist nicht wenig, denn Marlene kannte ihren Wert und sammelte seit dem 'Blauen Engel' alles: 15.000 Fotos, 2.000 Schallplatten, Hunderte von Kleidern, Tausende von Schriftstücken und viel Plunder ... Im November 1996 konnte man dann in der Morgenpost lesen: " ..mit Logik ist die Absicht der Bonner und Berliner Finanzressorts kaum zu erklären, die Gelder für die Aufarbeitung des Marlene-Dietrich-Erbes radikal zu kürzen. Die über 100.000 Einzelstücke, die sich Berlin vor drei Jahren für acht Millionen Mark sichern konnte, drohen nun in ihrem Spandauer Depot zu versauern." 'Eine Berliner Affäre' !

Weiterführende Literatur:
Manfred Neifer: 'Marlene Dietrich' in: "Grenzgänger zwischen Theater und Kino", hrsg. Knut Hickethier,, Ästhetik und Kommunikation Verlags-GmbH Berlin, 1986, ISBN 3-88245-142-4
'Marlene Dietrich', 2 Bde zusammengestellt von Werner Sudendorf, Hanser Verlag München, Wien 1977/1978, ISBN 3-446-12463-2 und 3-446-12464-0 siehe auch:
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