|

|
Das Kaiser-Panorama
ist, was die Volksbelustigung betrifft, ein Vorläufer des Kinos mit seinen Wochenschauen und mit seinem Bildungsanspruch - jedermann Bilder aus aller Welt zugänglich zu machen - wenn man so will auch ein wenig Vorfahr des Internets.
"Zum Bildungshunger gesellte sich die Bildungskon-kurrenz, man mußte und wollte mitreden können, durfte sich keine Blöße geben. Je größer das neugierige Publikum wurde, um so mehr wuchs auch sein Interesse, sich Welterfahrung nicht mehr mühsam und gefahrvoll erlaufen zu müssen, sondern sich die Erweiterung der Weltkenntnis ins Haus - oder doch zumindest in die Stadt - bringen zu lassen. Bildung sollte leicht zugänglich und Belehrung unterhaltsam sein.
... Es kam die Zeit der großen illusionistischen Schaubilder in Panoramen und Dioramen. Das 'Orama-Fieber' brach aus. ... Wie das neue Verkehrsmittel Eisenbahn die Mobilität und Reiselust der Menschen erst nach der Jahrhundertmitte grundlegend veränderte, so erregte die 1851 auf der Weltausstellung in London vorgestellte Stereoskopphotographie eine sich ähnlich ausbreitende Schaulust auf die Welt im Bild. Die mit einer Doppelobjektivkamera aufgenommenen Photos - auf Papier oder als Diapositive auf Glas - ermöglichten, wenn man sie in eiem entsprechenden Betrachtungsgerät, dem Linsenstereoskop, anschaute, einen Wahrnehmungs-eindruck von körperlicher Plastizität und räumlicher Tiefe.
... Wenn es in Berlin einen Rückstand zu beklagen gab, so hat ihn seit 1883 August Fuhrmann mit seinem 'Kaiserpanorama' und seinem 'Weltarchiv polychromemer Stereo-Urkunden auf Glas'reichlich wettgemacht. Er war selbst noch mit Diaprojektoren über Land gezogen und wußte, wie man das Bild der Welt auf unterhaltsame Weise unter die Leute brachte. Mit seinen neuen farbigen Glasphotogrammen und dem automatischen Bildtransport steigerte er die illusionistischen Reize der Lehnstuhlreise noch und machte sie an vielen Orten für 25 Personen zugleich [die gleiche Bildreihe - jede Person ein anderes Bild] möglich. ... Mit seinem 'Kaiserpanorama' versuchte er auf seine Weise, Deutschland groß zu machen. Stephan Oettermann hat das Unternehmen zu Recht einen 'Imperialismus des Auges' genannt, " schreibt Winfried Ranke im Ausstellungskatalog 'Das Kaiserpanorama', hrsg. Berliner Festspiel GmbH 1984.
In Berlin sind mir zwei öffentlich zugängliche Kaiserpanoramen bekannt, daß des Berlin-Museums in der Lindenstraße in Kreuzberg und das des Museums für Verkehr und Technik.
|
|