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'Das Cabinet des Dr. Caligari' Caligari, ein dämonischer Arzt bedient sich eines Somnambulen um zu morden. Er wird als Direktor eines Irrenhauses, jedoch selbst irr, von seinem Gegenspieler Alan, dem er den Freund und die Geliebte entführen ließ, entlarvt und zu Fall gebracht. In der Rahmenhandlung dieses Films spaziert Lil Dagover schwebend, völlig geistesabwesend durch den Garten einer Irrenanstalt. Auf einer Gartenbank sitzt Franzis, dargestellt von Friedrich Feher, der bisher im Rollenfach des romantischen Liebhabers zu sehen war. Er stellt die Spazierende einem Mitinsassen als seine Braut vor, mit der er Seltsames erlebt habe. Er erzählt die seltsame Geschichte, die zur Haupthandlung des Films wird. Was wir in der Haupthandlung über Jane erfahren, ist ausschließlich Franzis Erzählung entwachsen. In seiner Vorstellung ist Jane eine Apothekerstocher, die sich den bürgerlichen Konventionen gemäß verhält. Wie im Melodram ist Jane, die Heldin, mit den Attributen der Tugend, der Schönheit und des Bedrohtseins ausgestattet. Posenhaft skizziert Lil Dagover die schüchterne Bürgerstochter während sie die Irre völlig zurückgenommen, schlafwandlerisch mit verzögerten Reaktionen zeigt, als im Nebel treibendes Innenleben. Sie hält sich für eine Königin, die ihren Partner nicht aus Liebe wählen darf, und sich anscheinend deshalb in den Wahnsinn zurückgezogen hat. Nicht begreifend was an diesem Ort mit ihnen geschied, wandeln beide Figuren, unschuldig und zugleich von der Macht des wahnsinnigen Caligari bzw. der Macht der vin ihm geleiteten, gesellschaftlichen Institution des Irrenhauses bedroht, durch den Film. Hier, in der Bedrohung der Heldin bzw. der Helden durch die patriarchalische Gegenwelt, wird die melodramatische Grundstruktur dieses Musterbeispiels eines expressionistischen Films deutlich. Die Liebesgeschichte dieses Films verschwand für die zeitgenössische Kritik und für die Filmgeschichtsschreibung hinter den gemalten Kulissen und der ekstatischen Spielweise Caligaris, dargestellt von Werner Krauß. Die Kritiker feierten begeistert die Entdeckung des filmischen Expressionismus und beklagten, daß dieser im 'Cabinet des Dr. Caligari' formal nicht logisch durchgehalten ist, daß der Expressionismus hier als Ausdruckskunst des Wahnsinns offeriert wurde.
Doch die ekstatische Spielweise braucht den Gegensatz. Regisseur
Robert Wiene verstand es aus dem Wechsel zwischen dem expressiv
rasenden und dem realitisch taumelnden Spannung zu erzeugen, den
Film immer schneller werden zu lassen und damit zu rhythmisieren.
Gäbe es in diesem Film Friedrich Feher und Lil Dagover nicht,
so hätten sich Caligari & Co nach zehn Minuten zu Tode
getobt, würde der Film mit der ekstatischen Spielweise von
Conrad Veidt und Werner Krauß den Zuschauer langweilen.
Das 'Cabinet des Dr. Caligari' wurde zum wahrscheinlich berühmtesten deutschen Film und machte den deutschen Film im allgemeinen in den frühen 1920er Jahre weltberühmt. Die Begriffe deutscher Film und expressionistischer Stil, bei dem seelische Befindlichkeiten äußerlich, durch bildnerische Szenengestaltung und kontrastreiche Lichtgebung, sichtbar und atmospärisch spürbar werden. Das 'Cabinet des Dr. Caligari' wurde in den Weißenseer Ateliers in der Franz-Josef-Straße 9-12 aufgenommen und am 27.2.1920 uraufgeführt. |
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