Lunik

Über das ehemalige 'Lunik' in Berlin - Wilhelmsruh kann man in der 'Pankower Chronik' lesen: "... unser Kino 'Lunik'

Das Kino [im allgemeinen] spielte im kulturellen Leben der Wilhelmsruher Bürger früher schon eine besondere Rolle. Das Kino 'Urania' lag neben der Gaststätte 'Feldschlößchen' in der Kronprinzen [- heutige Toller] straße. Es erfreute sich, so lange die Wilhelmsruher zurück denken konnten, eines regen Zuspruchs.
1945 nahm dieses Kino, als eine der ersten Einrichtungen dieser Art, bereits im Sommer wieder seine Tätigkeit auf. Aber nicht nur Filmveranstaltungen fanden dort statt, sondern auch Versammlungen und Kundgebungen. [...] Ende 1945 verkaufte der Besitzer das Kino an 2 Herren aus dem Westsektor. Ab sofort sperrten sie die Filmvorstellungen und gaben das Kino dem Verfall preis.
Die Bürger von Wilhelmsruh sahen dies als Sabotage an. Sie gaben sich nicht zufrieden und kämpften um ein neues Kino. Doch bis dahin vergingen einige Jahre. So waren die Bürger gezwungen, das Kino 'Universum' in Schönholz oder das Kino 'Roli' in Rosenthal zu besuchen.
[...] A m 7.12.1957 [reichte] die Nationale Front einen Antrag für eine Standortgenehmigung für ein neues Lichtspiel-theater in Wilhelmsruh ein. [ Unter der Überschrift: 'Kinobau mit allen Finessen geplant, berichtete 'Der Morgen' am 19.2.1958: " Endlich ein Filmtheater für Wilhelmsruh. Im Sommer soll der Bau beginnen. ... Der Progreßfilmvertrieb beabsichtigte, diese neue kulturelle Einrichtung in Wilhelmsruh zum 'Uraufführungskino' zu machen. Der Beweis dafür, daß man Wilhelmsruh doch nicht als 'auf dem Mond liegend' betrachtet." [...] Doch erst am 29.10.1958 wurde der Bau des Lichtspieltheaters gebehmigt. [...] DIE BÜRGER NAHMEN REGEN ANTEIL AM BAUGESCHEHEN. VIELE UNZÄHLIGE NAW-STUNDEN LEISTETEN DIE WILHELMSRUHER BEIM KINOBAU. [...]
Am Donnerstag, dem 24. August 1961 um 18. 45 Uhr, fand die erste Filmvorstellung im Kino '
Lunik' statt. Gezeigt wurde der Defa-Film 'Der Fall Gleiwitz' [von Gerhard Klein, Wolfgang Kohlhaase und Günther Rücker]. Viele der freiwilligen Aufbauhelfer waren die ersten Gäste. Die Bürger von Wilhelmsruh waren stolz auf ihr neues Lichtspieltheater [...] Das Filmtheater Wilhelmsruh mit 510 Sitzplätzen liegt am Ende einer angerartigen Grünanlage und schafft durch einen geschickt gruppierten Baukörper einen STÄDTEBAULICHEN RAUM. [...]", ein ambitioniertes Ensemble, welches mit seiner "Skulptur auf dem von Haupt- und Seitenflügel umgrenzten Vorplatz [...] auf den kulturellen Anspruch der Einrichtung [verweist]," wie Simone Förster und Mathias Siebert in 'Kinoarchitektur in Berlin 1895-1995' a.a.O., sehr richtig bemerken.

Hier spielt sich das kulturelle Leben von Wilhelmsruh ab. Hier geht man ins Kino oder hält auch seine Jugendweihfeiern ab. Und während in den achtziger Jahren hier meistens Kinderkino stattfindet, geschieht es manchmal, wenn ein kritischer Film im Ostberliner Zentrum nicht mehr gezeigt werden darf, in Wilhelmsruh aber noch läuft, daß das Publikum aus ganz Berlin-O in die Wilhelmsruher Hauptstraße störmt.
Das 'Lunik' war das einzige in den sechziger Jahren in den Außenbezirken Ostberlins errichtete Großkino mit Breitwand-technik. Das Lunik war das kulturelle Herz von Wilhelmsruh, das nach dem Mauerfall ein paar vielversprechenden Investoren geopfert und 1991 abgerissen wurde. Die Bauauflage in den Neubau ein Kleinkino mit 50 Sitzplätzen zu integrieren wurde umgangen.
Die 'Dekagrund' setzte grundstückfüllend, ein fünfstöckiges auf einem oberirdischen Keller stehendes und damit siebenstöckig wirkendes Gebäude an die Stelle des ehemaligen von der Straßenflucht ca. zehn Meter eingerückten Zweigeschossers - und erklärte dann, daß sie kein Kino gebaut habe, weil "es sich nicht rechnen" würde. Die Pankower Behörde zuckt ob ihrer Bauauflagen mit den Schultern und sieht sich nicht in der Lage Schadensersatz geltend zu machen -

"Wie Ihnen bereits bekannt ist, wurde am Standort Hauptstraße 22/ Schillerstraße 34 für ein Kino-Cafe eine Baugenehmigung beantragt und am 7.10.1994 erteilt. Weiterhin bekannt sein dürfte, daß dieses Kino Bestandteil einer privatrechtlichen Vereinbarung zwischen der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH (TLG) und den Bauherren ist.
In diesem Vertrag ist im Gegensatz zur Ausschreibung auf eine Grunddienstbarkeitseintragung Kino verzichtet worden. Wie uns die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur mitteilte, geschah dieses aus wirtschaftlichen Gründen und basiert auf einer gutachterlichen Stellungnahme des Wirtschaftverbandes Berliner Filmtheater. Die Größenordnung von 50 Sitzplätzen wird sowohl für den Erstaufführungsbetrieb als auch den Nacht-spielbetrieb als ungeeignet eingeschätzt.
Trotz erteilter Baugenehmigung kann der Bauherr eine Nutzungs-änderung dann durchsetzen, wenn zwingende wirtschaftliche Gründe dieses notwendig erscheinen lassen ..."
Wer das Geld hat, hat... - die mächtigen Investoren haben gesagt ...-
Neues Herzstück fürs Wilhelmsruher Volk - das nennt man kulturellen Wandel - ist der Lottoladen Hauptstr./ Ecke Schillerstr.34

Die nächsten Kinos liegen heute im Märkischen Viertel oder in Niederschönhausen: Der Blaue Stern.

 

 

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